Furmint

Historisches
Die weiße Rebsorte Furmint stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Ungarn, wo sie im Jahr 1623 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Über ihre Herkunft gibt es keine gesicherten Belege, doch viele Vermutungen, in denen oft von Italien die Rede ist. König Stephan II. oder sein Nachfolger Bela II. soll im 12. Jahrhundert Italiener nach Ungarn geholt haben, die Reben mitbrachten. Einer Legende nach erhielt König Bela IV. im 13. Jahrhundert Stecklinge von Bertoldo di Andechs, dem Patriarchen von Aquileia. Oder sollte doch die Adelige Aurora Formentini im 17. Jahrhundert den Furmint aus ihrer Heimat Venetien zur Hochzeit mit dem ungarischen Magnaten Ádám Batthyány mitgebracht haben?

Gegenwärtiges
Wie es auch gewesen sein mag: Für große Tradition und weite Verbreitung der Rebsorte spricht die Vielzahl von Synonymen quer durch die Weinregionen der Welt. Im Ranking der Rebsorten belegte der Furmint im Jahr 2010 mit 5.259 Hektar Rang 108. Klar an der Spitze der Anbaufläche steht Ungarn, wo insgesamt 4.165 Hektar ausgewiesen sind (davon ca. 2/3 der Rebfläche im Gebiet Tokaj-Hegyalja). Zum Vergleich: 651 Hektar in Slowenien, 248 in der Slowakei, 172 in Kroatien, 13 in Brasilien, 9 in Österreich und 1 in Südafrika.

Die Bedeutung der Rebsorte in Slowenien wurde am 15. November 2016 durch ein Partnerschaftsabkommen zwischen dem slowenischen Ljutomer und der Freistadt Rust hervorgehoben. Vertreter beider Länder unterzeichneten es anlässlich des Jubiläums 95 Jahre Burgenland und des 25. Jahrestages der Unabhängigkeit der Republik Slowenien bei einer Festveranstaltung im Ruster Seehof, dem Sitz der Weinakademie Burgenland. Die im Burgenland mit Ausnahme von Rust fast vergessene alte Rebsorte soll künftig gemeinsam touristisch vermarktet werden.

Ampelografisches
Nach DNA-Analysen 2012 stammt die Sorte aus einer vermutlich natürlichen Kreuzung zwischen Heunisch (Gouais Blanc) und der rumänischen Alba Imputotato. Analysen aus 2008 erwiesen Furmint als Elternteil der Tokajersorte Hárslevelü und auch der Schweizer Sorte Plantscher.
Die Reben brauchen warme, trockene Lagen und kalkreiche Böden. Winterfrost und Spätfröste mögen sie gar nicht und sind auch empfindlich gegenüber Peronospora und Oidium. Der Austrieb ist früh, der Wuchs kräftig, die Reife sehr spät. Die Sorte ist für Botrytis sehr anfällig, daher wird sie gern für edelsüße Weine verwendet, allen voran der Tokajer, als Spezialität auch der Ruster Ausbruch.
Die fünflappigen Blätter sind kreisförmig bis fünfeckig, die zylindrischen, geschulterten Trauben eher groß und dichtbeerig, die ovalen Beeren grünlich-gelb gefärbt. Feine florale Noten (Kamille) und Honig prägen das Aroma. Die Weine sind extraktreich und füllig sowie relativ hoch im Säure- und Alkoholgehalt – beste Voraussetzungen für gute Lagerfähigkeit und hohes Alterungspotenzial.